Doch ganz so einfach wie es sich auf den ersten Blick darstellt, ist die Angelegenheit dann doch nicht. Insbesondere dann, wenn man wirklich ein Maximum an Qualität aus dem stark komprimierten Material zaubern möchte, muss man bereits bei der Aufnahme eine Reihe von Dingen beachten. Neben den aus der Fotografie bekannten Feinheiten kommen beim Videodreh die Tücken der starken Komprimierung hinzu, die sich stark an dem im Bild vorhandenen Detailgrad orientiert. Gleichmäßigere Flächen werden deutlich stärker komprimiert, als andere, detailreiche Bildbereiche. Das hat Konsequenzen, die wir zu vermeiden versuchen wollen.
Und hier sind ein paar Tipps dazu:
- Achtet undbedingt darauf, nicht schon in der Kamera mittels Picture Styles und anderen Einstellungen einen bestimmten Look zu erzeugen. Dreht das Material möglichst neutral, auch wenn es auf den ersten Blick flau bzw. flach aussieht. Digitale Schärfung rausdrehen, Kontrast rausdrehen, Sättigung ein wenig verringern. Ziel der Übung ist es, einen möglichst hohen Dynamikumfang im Bild zu speichern, von dem wir dann in der Nachbearbeitung profitieren.
- Korrekt belichten heißt in diesem Falle, man sollte ein so helles Bild drehen wie es eben geht ohne dass die hellsten Stellen aufplatzen bzw. clippen. Das hilft uns in 2 Punkten enorm. Erstens reduziert es das Rauschen in dunklen Bildpartien und zweitens hilft es bei der o.g. starken Kompression, dass auch die dunklen Bildpartien mit möglichst viel Information verarbeitet (nicht kaputtkomprimiert) werden.
- Beim Weißabgleich unbedingt eine sehr neutrale Einstellung wählen. Auch hier gilt: Nicht versuchen, den gewünschten Look schon beim Dreh zu erzeugen. Je neutraler wir drehen, umso größer ist der gespeicherte Dynamikumfang pro Farbkanal und umso geringer sind unerwünschte Effekte wie Rauschen in einem Farbkanal und Überbelichtung in einem anderen Farbkanal.
- Bevor das gedrehte Material in den Schnitt und das Color Grading geht, solltet ihr unbedingt das Material entrauschen. Es gibt dafür eine Reihe von verschiedenen Softwareprodukten, schaut euch einfach mal ein wenig um. Fakt ist jedenfalls, dass man ungeachtet des deutlich erhöhten Zeit- und Rechenaufwandes ein ungleich besseres Endergebnis bekommt. Wir wollen mit optimalem Material in die Post-Production gehen, deshelb steht dieser Schritt unbedingt am Anfang der Nachbearbeitung. Geh vorsichtig mit den Optionen dieser Denoiser um, keinesfalls schon zu Beginn der Nachbearbeitung nachschärfen!
- Wenn es die verfügbare Software und Hardware (bzgl. Performance) hergibt, dann unbedingt überlegen, ob man den Postproduktions-Prozess nicht in einer höheren Farbtiefe bestreitet. Die 256 Helligkeitsstufen (8bit) pro Farbkanal sind einfach zu wenig für eine schöne, feine Gradation. 16bit (65536 Helligkeitstufen pro Farbkanal) geben deutlich mehr Spielraum für Feintuning innerhalb des Produktionsprozesses, selbst wenn am Ende dann doch wieder ein 8bit basiertes Ergebnis rausgerendert wird. Übrigens bietet es sich an, schon das o.g. Entrauschen in einer erhöhten Farbtiefe zu machen, weil so deutlich weniger interpoliert werden muss.
- Wie oben schon kurz erwähnt, Schärfe sollte immer der letzte Schritt im Produktionsprozess sein, zumindest aber der zuletzt angewendete Effekt im Effektstapel einer Videoebene des Bearbeitungsprogrammes.
Wer diese Tipps beachtet, wird auch in der Farbkorrektur seine helle Freude haben, wenn es darum geht, den richtigen Look aus dem Material zu zaubern.



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